Wie alles begann
Vor einigen Monaten kam mir die Idee, alle Spielberg-Filme in chronologischer Reihenfolge anzusehen.
Phil, meinem früheren Podcast-Buddy, erzählte ich davon und wir beschlossen, uns zum jeweiligen Film zu verabreden und dann gleichzeitig unsere Bluray-Player zu starten.
Wir sitzen beim Schauen also nicht im selben Raum, da zwischen uns eine Strecke von rund 1000 Kilometern liegt. Wer unseren Podcast kennt, der dürfte sich an diesen etwas schalen Running Gag von mir vielleicht erinnern.
Die Filme von Steven Spielberg hatten mich enorm beeindruckt und den Wunsch ausgelöst, selbst Filmemacher werden zu wollen, wozu es langfristig jedoch nicht kam.
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob ich E.T. vor dem Weißen Hai und danach Duell sah, doch diese drei Filme führten dazu, dass ich Spielberg als Filmemacher „auf dem Schirm“ hatte. Ich war ganz plötzlich Fan eines Filmregisseurs. Dass man so etwas überhaupt sein konnte, war damals eine neue Erfahrung für mich.

Kommen wir zum ersten Film
Aber, welcher war denn nun der erste Film von Steven Spielberg? Bisher war ich felsenfest davon überzeugt gewesen, dass Something Evil (Das Haus des Bösen) sein erster professioneller Langfilm war, gefolgt von Duel (Duell).
Also schauten wir zunächst Something Evil, nur um anschließend zu realisieren, dass ich mit meiner Annahme falsch lag – Duel entstand tatsächlich vorher im Jahr 1971. Something Evil folgte im Jahr darauf 1972.
Beide Werke waren als TV-Langfilm konzipiert. Aufgrund der positiven Reaktionen auf Duel wurde Spielberg gebeten, dem Film einige Szenen hinzuzufügen. Diese Version wurde im Ausland auch in dortigen Filmtheatern gezeigt. Eine Kinoauswertung in den Vereinigten Staaten gab es jedoch nicht.
Auch wenn ich gleich zum Beginn des Marathons die Reihenfolge der ersten beiden Filme vertauscht habe, schreibe ich jetzt zunächst über Duel, um die tatsächliche Chronologie zu wahren.
Handlung
David Mann ein Vertreter/ Handlungsreisender ist in seinem Wagen unterwegs zu einem Geschäftstermin. Seine Fahrt beginnt in Los Angeles. Die ersten Filmminuten sind geprägt von Aufnahmen innerstädtischer Highways mit viel Verkehr, akustisch untermalt von wechselnden Radiodurchsagen/ -sendern. Je näher die Stadtgrenze kommt, desto mehr nimmt der Verkehr erwartungsgemäß ab.
Schließlich sehen wir Davids Auto über eine einsame, endlos lange Straße durch die Mojave Wüste fahren. Hier kommt es zur ersten Begegnung mit einem rostigen Tanklastwagen, den er zunächst überholt, nur um kurz darauf vom selben Fahrzeug ebenfalls überholt zu werden. Es entspinnt sich ein wahres Katz-und-Maus-Spiel zwischen Mann und dem Trucker, dessen Gesicht nicht gezeigt wird. Das “Duell” zwischen PKW und LKW wird zunehmend bedrohlicher und lebensgefährlich für David.

Zum ersten Mal sah ich Duell Anfang der 80er Jahre, zuhause, auf unserem kleinen Farb-TV mit Empfang via Zimmerantenne. Ganz oft mussten wir damals an der Antenne herumdrehen, bis das Bild einigermaßen akzeptabel war. Über Jahre hinweg habe ich Fernsehen nur unter diesen Bedingungen schauen können, oft mit verrauschtem Bild… Heute unvorstellbar.
Der Film beginnt sehr langsam und baut seine Spannung ebenso gemächlich auf. Als der Truckdriver (Carey Loftin) David (Dennis Weaver) vorbei winkt und dieser beim Überholvorgang nur in letzter Sekunde einem entgegenkommenden Fahrzeug ausweichen kann ist klar – der Trucker hat mörderische Absichten!
Ab diesem Moment wird man als Zuschauer praktisch zu David und kann sich der Spannung nicht mehr entziehen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich damals mitgefiebert hatte, als sich Davids Auto mit kochendem Motor fast im Schritttempo den Hügel hinauf quälte. David jammerte und betete, während im Hintergrund der Truck aufholte.

Viele Szenen wirken auf mich so, als hätte Alfred Hitchcock dafür Pate gestanden. Besonders denke ich dabei an die Aufnahmen in dem Diner. David ringt mittlerweile um seine Nerven und glaubt in fast jedem männlichen Gast den mörderische Trucker zu erkennen. Wir hören dabei seine hektischen Gedanken im Voice Over.
Auch die aus späteren Spielbergfilmen so bekannte Darstellerführung und Kamerabewegungen sind in Duel bereits erkennbar. Beispielhaft dafür fällt mir spontan die Szene ein, in der David mit seinem Auto in den Holzzaun kracht. Ein älterer Typ steht einfach nur in aller Seelenruhe da und schaut sich an, was gerade passiert.
Schlussworte
Wir hatten die 4K Fassung gesehen und ich war ein bisschen enttäuscht davon, wie stark sich einige Einstellungen qualitativ voneinander unterschieden. Es gab teilweise enorm scharfe Großaufnahmen, in denen man die einzelnen Gesichtsporen zählen konnte und dann wiederum unscharfe, regelrecht verwaschene Aufnahmen. Offenbar war nicht mehr aus dem alten Material herauszuholen.
Ein würdevolles Wiedererleben dieses Klassikers.
Das Mitfiebern blieb bei mir dieses Mal jedoch aus, da ich den Film bereits mehrfach gesehen habe.

Falls jemand das Werk von Steven Spielberg aus einem weiteren Blickwinkel betrachten möchte, dem empfehle ich gerne den Blog auf Phils Webseite.
Duel (1971) © Universal Pictures
