Hush… Hush, Sweet Charlotte

Dass es in den 60ern schon solche Granaten gegeben hat? War für mich eine Gänsehaut erzeugende Überraschung.

Soweit die ersten Gedanken von Mishelle, die mir diesen Film hat zukommen lassen.
Ich sah Wiegenlied für eine Leiche vor wenigen Tagen zum ersten Mal. Bis dahin dachte ich, dass mich ein Schwarzweiß-Film aus den 1960er Jahren heute auf keinen Fall mehr so richtig packen könnte. Wie ich mich doch getäuscht habe…

Gleich in der ersten Szene wird eine so unmissverständliche Bedrohung aufgebaut, dass es mich nur mit Mühe auf der Couch hielt. Ein blutjunger Bruce Dern, der sein ganzes Leben noch vor sich zu haben scheint, blickt hier womöglich seinem Untergang direkt ins Auge. Wenig später kommt es zu einer Gewaltszene, die so explizit ist, als wäre sie vor wenigen Jahren erst entstanden. Ab da weiß man als Zuschauer, dass hier nichts und niemand sicher ist und dass man sich auf alles einstellen muss. Der nur vier Jahre zuvor erschienene Psycho von Hitchcock wirkt dagegen fast niedlich in seiner Gewaltdarstellung.

Mein Fazit:
Wiegenlied für eine Leiche ist ein Thriller mit streckenweise übernatürlichen Zügen. Realität und Wahnsinn scheinen ineinander zu verschwimmen. Dennoch wird alles plausibel erklärt, aufgedeckt und zu einem überaus befriedigenden Ende geführt, das an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird. Ein echtes Brett von einem Film, der auch heute noch sehenswert und unfassbar gut gealtert ist.

Regie: Robert Aldrich
1964
133 Minuten

Fotos IMDB