Something Evil (Das Haus des Bösen)
„Stevie… Stevie… Steven!“
Trotz der Spannung während dieser Szene, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als Marjorie Worden so nach ihrem Sohn rief. Denn der Regisseur dieses Films, war der damals gerade erst 26 Jahre alte Steven Spielberg.

Nach Duel war Something Evil (Das Haus des Bösen) sein nächster professioneller Langfilm gewesen.
Ich sah den Film damals nur einmal im TV, vor ca. 40 Jahren. Für den Steven-Spielberg-Filmmarathon, den wir gerade laufen, erstand ich eine DVD beim Gebrauchtfilmehändler meines Vertrauens.
Eine DVD… dass mir so eine in Zeiten von UHD nochmal ins Haus kommt, hätte ich mir bis vor kurzem kaum vorstellen können. Phil kaufte sich ebenfalls ein Exemplar und so konnte unser räumlich getrennter Filmabend beginnen.

Handlung
Ein Künstlerehepaar kauft ein abgelegenes Haus auf dem Land, dessen Vorbesitzer sich unter dem Einfluss einer bösen Macht das Leben genommen hat. Nach ihrem Einzug kommt es zu einer Reihe von erschütternden und unerklärlichen Vorfällen, in dessen Verlauf anscheinend der Teufel selbst Besitz vom kleinen Sohn Stevie ergreift.
Der Vorgänger von Poltergeist
heißt es vollmundig auf dem DVD-Cover. Und tatsächlich finden sich in dieser Horrorgeschichte Elemente, die man später in Poltergeist in abgewandelter Form durchaus wiederfindet.
Damit meine ich in erster Linie den Horror, der eine Durchschnittsfamilie in ihrem eigenen Heim terrorisiert. Laurie, das kleine blonde Töchterchen in Something Evil, das bemerkenswerter Weise nicht eine Silbe Dialog von sich gibt, findet sich in Poltergeists Carol Anne zumindest optisch fast 1:1 wieder. Übrigens wurde Laurie abwechselnd von den Zwillingen Debbie und Sandy Lampert dargestellt.
In beiden Filmen verlassen die Familien am Schluss ihr Zuhause. In Something Evil steht das Haus noch, in Poltergeist hingegen ist davon nicht mehr allzu viel übrig. Mit viel Glück konnte man vielleicht noch ein paar alte Nägel aus irgendwelchen Brettern ziehen.
Mir sind auch zwei Punkte aufgefallen, die mich stark an E.T. erinnerten.
Das waren zum Einen die verwelkten Blumen, als Zeichen bevorstehenden Unheils und zum anderen eine Szene, in der sich zwischen Marjorie und Sohnemann Steven ein ganz besonderes, unheilvolles Band zu befinden scheint:
Während Stevie immer wieder einen Basketball wütend gegen die Hauswand wirft, fängt gleichzeitig seine Mutter damit an, ihre Arbeit an kleinen Tonanhängern zu zerstören. Zumindest hat mich diese Szene an das spätere Band zwischen E.T. und Elliot erinnert. Gut möglich, dass ich aber auch nur Parallelen erkennen wollte, die vielleicht gar nicht beabsichtigt waren.
Im Kinderzimmer habe ich übrigens die gleiche batteriebetriebene Spielzeugfigur (Frankensteins Monster ?) ausgemacht, die später in Close Encounters of the Third Kind zu sehen war.
Inszenatorisch fühlt sich Something Evil über weite Strecken wie ein Rückschritt im Gegensatz zu dem zuvor erschienenen Duel (Duell) an. Der Schnitt ist zuweilen holperig und unmotiviert, der Szenenaufbau wirkt oft statisch. Es gibt vereinzelt Großaufnahmen in starker Untersicht, die eher gewollt anstatt inspiriert wirken.
Da kam der Vorgängerfilm noch ganz anders daher und erinnerte von seinem Flow schon viel mehr an spätere Spielbergfilme. Womöglich waren die Produktionsbedingungen bei Something Evil sehr rigoros und ließen Spielberg eher wenig… Spielraum.
Die Spannung funktioniert auch heute noch gut. Das unheimliche Weinen in der Nacht verursachte mir Gänsehaut. Ähnlich wie Familienhund Harvey und Elliot in E.T., die beide nachts nach merkwürdigen Geräuschen lauschen, so liegt auch Marjorie längst hellwach da, als wir zunächst das Weinen aus dem OFF hören, die Kamera sich ihr aber erst nähert.
Der schief gesungene Werbesong zu einem Schokoriegel mit Apfelgeschmack ist seit damals bei mir hängen geblieben: „Mhmm, die sind lecker und erfriiiischend!“, ertönte es damals in der deutschen Synchro.
Das klang auf mich so schräg und deplatziert, dass mein Hirn es einfach abspeichern musste, vermute ich. Ähnliches galt übrigens auch für das Main Theme aus Uwe Jakubiaks ES. Aber das sei nur am Rande erwähnt.
Auf dem Höhepunkt des Films, muss Marjorie um ihren Sohn kämpfen und ihn dem Einfluss des Teufels entziehen. Ganz schön starker Tobak. Die Szene ist aber spannend inszeniert und die mechanischen Effekte bieten einen frühen Ausblick auf das, was in den 80er Jahren fester Bestandteil des Genrekinos war und auch heute noch ist.

Aus filmhistorischer Sicht ist Something Evil, Das Haus des Bösen, natürlich interessant, da man hier die Wurzeln der späteren Spielbergproduktionen sieht. Das Anschauen heute ist jedoch etwas mühsam, was auch an der schlechten Bildqualität liegt.
„I´m your mother, Stevie… I love you.“
🙂
Something Evil (1972) © CBS
